2024 | Dieffenbach-Medaille
Dieffenbach Medaille Univ.-Prof. Dr. med. Günter Germann
Mit der Dieffenbach-Medaille wurde 2024 in Düsseldorf Univ.-Prof. Dr. med. Günter Germann (Heidelberg) geehrt. Die kurzweilige Laudatio über dessen eindrucksvollen Lebensweg hielt sein langjähriger Freund und Mitstreiter Prof. Dr. med. Michael Sauerbier (Frankfurt am Main), der in seiner Rede auch Überraschendes ans Licht brachte. Wer wusste schon, dass G. Germann in den 1970er Jahren für den BSV 07 Schwenningen in der zweiten Bundesliga Süd im Tor stand? M. Sauerbier hob neben G. Germanns fachlichen auch dessen charakterliche Starken hervor sowie seine vielen Verdienste für das Fach – unter anderem von 2007 bis 2010 als Präsident der DGPRAC. Sein Talent zum Brückenbauen führte zu einer internationalen Vernetzung, die vielen deutschen Plastischen Chirurgen den Weg in die Vereinigten Staaten ebnete und für einen wichtigen Wissenstransfer sorgte. Dass G. Germann im Jahr 2020 zum ersten ausländischen Präsidenten der American Society for Reconstructive Microsurgery (ASRM) gewählt wurde, unterstreicht dies eindrücklich.
In seiner Dieffenbach-Vorlesung mit dem Titel „Ästhetik der Rekonstruktion – die Faszination der Schönheit im Wandel der Zeit“ berichtete G. Germann humorvoll über seine „gescheiterte DJ-Karriere“ sowie andere beruflichen Anläufe, bis er seine Berufung in der Plastischen Chirurgie fand. Schönheit, so G. Germann, müsse berühren, liege aber gleichzeitig im Auge des Betrachters und sei daher subjektiv geprägt und objektiv schwer zu beschreiben. Was ein „schönes Ergebnis“ im OP für den Operateur und Patienten sein mag, müsse nicht zwingend das gleiche für einen völlig unbeteiligten Laien sein. G. Germann schlug den Bogen vom alten Ägypten bis in den modernen OP-Saal, von der reinen Mathematik des Goldenen Schnitts zu kulturellen, sozioökonomischen und sogar situativen Einflussfaktoren, die ihrer ganz eigenen Dynamik folgen und am Ende bestimmen, was von Menschen als „schon“ empfunden werde. Abschließend stellte G. Germann einige Patienten aus seiner Karriere vor, die ihn berührt haben. Hierbei handelte es sich – dem Titel der Vorlesung folgend – um funktionelle Rekonstruktionen nach schweren Verletzungen oder Tumorresektionen, bei denen ein Erhalt der Extremitäten keine Selbstverständlichkeit war. G. Germann schloss seine Vorlesung mit einer innigen Danksagung an Freunde, Familie und leider auch von uns Gegangene, ohne deren Hilfe in all den Jahre vieles nicht möglich gewesen wäre. Die Mitglieder ehrten den sichtlich gerührten G. Germann und sein Lebenswerk nach der Verleihung der Dieffenbach-Medaille durch den DGPRAC-Präsidenten Univ.-Prof. Dr. med. Marcus Lehnhardt mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations.
Quelle: „Plastische Chirurgie“, Heft 4, Dezember 2024